© Yannick Derennes

Das Dorf Poullan‑sur‑Mer

Das Dorf Poullan‑sur‑Mer

Ein ländlicher Ort am Meer. Zöllnerpfad (GR34) mit einem herrlichen Ausblick auf die Bucht von Douarnenez. Wanderwege auf dem Land für Wanderfreunde und Mountainbiker. Überraschende Megalithen: Menhir und Dolmen bei Lesaff, Dolmen-Großsteingrab in Lesconil.

Ein wenig Geschichte…

Wichtige Spuren aus der Jungsteinzeit zeigen, dass diese Region bereits seit Urzeiten von Menschen besiedelt wurde. Das Dolmen-Großsteingrab von Lesconil «Ty ar C’horriquet», der Lesaff-Dolmen und zahlreiche Menhire sind Überreste aus dieser Zeit. Aus der römischen Besatzungszeit fand man Spuren von heute verschwundenen Villen und Behälter zum Einsalzen von Nahrungsmitteln.

 

Die frühe Christianisierung der Region und eine Einsiedelei verliehen der Gemeinde vermutlich ihren Namen: Ploelan, Polan, Poullan, also «Einsiedler-Pfarrgemeinde». Zahlreiche Bauwerke veranschaulichen den Glauben unserer Vorfahren: Kultstätten (Kirchen und Kapellen), Kalvarienberge und Brunnen sind über die ganze Gemeinde verteilt.

 

Wohlhabende adelige Familien bauten schöne Wohnhäuser, darunter auch mehrere Landsitze. Zur Zeit der Französischen Revolution war es verboten, neue Pfarrgemeinden zu gründen. Der Gedanke kam auf, Tréboul als «Außenstelle» von Poullan einzurichten. Obwohl dieses Verbot nie in Kraft getreten war, wurde während der zivilen Verwaltungsreform das Rathaus von Poullan in Tréboul eingerichtet. Diese Reform störte besonders die Einwohner auf dem Land. Sie fühlten sich von der Zivilverwaltung vernachlässigt und Opfer einer unangebrachten Gegenüberstellung von Land und Küstengebieten, charakteristisch für die geographische Struktur ihrer Gemeinde. Nach vielen abenteuerlichen Belastungsproben wurde die Trennung der Gemeinde Poullan-Tréboul am 18. Juli 1880 ausgesprochen.

Absolut sehenswert: In einer grünen Oase die Kapellen Saint-They und Notre Dame de Kerinec

Kapelle Notre Dame de Kérinec

Diese große Kapelle bei Poullan wurde mitten auf dem Land erbaut, an einem Ort, an dem früher eine heidnische Kultstätte stand. Ihr Grundriss ist ungewöhnlich: Chorjoch, ein kaum ausgebildetes Querschiff, doch Chor und Kirchenschiff wurden symmetrisch angelegt. Dieser Baustil ist charakteristisch für die Schule von Pont-Croix. Der ursprüngliche Bau soll aus dem 13. Jahrhundert stammen, daher die erhöhten Säulen mit gemeißelten Kapitellen und Halbkreisbögen im romanischen Stil.

 

Ein Pilgerort für Kranke
Neben dem Bauwerk stand ein Hospiz, zu dem auch Kranke pilgerten.

 

Kalvarienberg und Kanzel
Am Rednerpult des Kalvarienbergs erkennt man die humorvolle Abbildung eines Bärtigen, der sich gerade die Ohren zuhält.

Christus und die heilige Anna
Der aus mehrfarbigem Holz gefertigte Christus am Kreuz ist denkmalgeschützt. Die heilige Anna, die Jungfrau Maria und das Jesuskind sind in dieser polychromen Skulptur als Gruppe dargestellt.

 

Kapelle Saint-They

Nähert man sich der natürlich schützenden Trennwand aus eng beieinander stehenden Bäumen, erscheint am Ende des Weges an einem Abhang die Kapelle. Die Ehefrauen der Seefahrer aus Tréboul hatten die Gewohnheit, in der kleinen Kapelle zu beten. 1976 wurde sie wieder aufgebaut. Sie wurde kreuzförmig mit abgeschrägter Apsis und ohne Fenster angelegt. Das Glockentürmchen wurde am Westgiebel mit einer abgerundeten Haube versehen, die ein glattes Spitztürmchen krönt. Manche weniger auffälligen Elemente stammen von einem
anderen Bauwerk aus der Zeit von Ende des 15. oder Anfang des 16. Jahrhunderts (z.B. die Basis der Pfeiler am Westportal).

Der Kalvarienberg nebenan trägt eingemeißelt die Jahreszahl 1577, im Westen der Kapelle steht die Jungfrau Maria mit zusammengelegten Händen und im Osten der Christus am Kreuz. Der etwas tiefer liegende Brunnen stammt aus dem Jahr 1989. Saint-They war ein Schüler des heiligen Guénolé und im 4. Jahrhundert Mönch in der Abtei Landévennec. Er soll die Menschen in Poullan-sur-Mer christianisiert haben.

Kirchenausstattung :

– Stufenförmiger Grab-Altar mit Tabernakel (18. Jahrhundert).
– Die Statuen sollen früher in der Kapelle Kerinec gestanden haben.

Eine für diese Kapelle bestimmte Glocke wurde 1789 in Quimper gegossen, befindet sich heute jedoch im Glockenturm von Alith in Schottland. Im umfriedeten Kirchgarten: ein Kreuz aus dem Jahr 1577 und etwas weiter unten im Tal ein Brunnen aus dem Jahr 1989.

 

Kirche Saint-Cadoan

Die Kirche besteht aus einem vierjöchig eingewölbten Hauptschiff mit Seitenschiffen. Im kreuzenden Querschiff befinden sich zwei Kapellen, und in der Verlängerung zwei weitere Joche jeweils mit Seitenschiffen. Das gesamte Kirchengebäude stammt aus dem 17. bis 18. Jahrhundert. Mehrere Elemente von früheren Bauwerken aus der Zeit von Ende des 15. oder Anfang des 16. Jahrhunderts wurden jedoch ebenfalls mitverwendet.

Die Westfassade mit dem Kirchenportal trägt als Bekrönung einen gesprengten gebogenen Giebel mit abgerundeter Endwölbung, ein klassisches Dekorelement aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Am Strebewerk dieser Fassadenseite lassen sich auch zwei unterschiedliche Baustile erkennen: auf der Abdachung des Strebewerks im älteren Baustil wurde eine Dachlaterne angebracht, bekrönt von einer drapierten Kuppel und einem Kreuz.

Auf zwei Basreliefs sind Schiffe abgebildet, das eine befindet sich an der Westfassade auf der Außenseite, das andere aus dem Jahr 1628 im Innenbereich rechts vom Kirchenportal. Die Seefahrt spielte für die Mitglieder der Pfarrgemeinde eine große Rolle, der ehemalige Hafen befand sich in Tréboul (Auf manchen alten Postkarten findet sich sogar die Aufschrift «Hafen
von Polan»). Seit 1997 ist die Kirche in der Liste der denkmalgeschützten Gebäude eingetragen.

Kirchenausstattung :

– Neugotischer Stil von Ende des 19. Jahrhunderts: Altare und Chorgestühl.
– Kanzel aus dem 18. Jahrhundert.
– Statuen aus mehrfarbigem Holz: Christus, Saint Yves; aus Stein: Saint Cadoan, der Schutzheilige der Pfarrgemeinde.